Nächstes Mal schaue ich mir den Weg zum Hotel vor dem Buchen genauer an.
Was kann man falsch machen, dachte ich, als ich ein Hotel mit „Frankfurt City“ im Namen, nicht weit vom Veranstaltungsort mitten in Frankfurt fand.
Der Tag war lang und anstrengend, die meiste Zeit hatte ich im Sitzen verbracht. Der zwanzigminütige Spaziergang von der Straßenbahnendhaltestelle zum Hotel überraschte mich zwar, kam aber eigentlich ganz gelegen. Erst beim Aussteigen aus der Straßenbahn merkte ich, dass der Weg ein Stück an einer Schnellstraße verlief und dann in einen Wald abbog.
Die Fußgängerampel kam mir deplatziert vor. Ich verließ mich vollkommen auf mein Navi, denn der Weg war weder beleuchtet noch befestigt. Im Oktober war es um diese Uhrzeit bereits dunkel. Mein Weg kreuzte breite Schneisen und Schotterwege, den Waldboden mit Blättern unter den Füßen spürte ich eher als ihn zu sehen. Als die Schnellstraße mit Scheinwerfern der Autos hinter den Bäumen verschwand, schien die Welt um mich im Dunkeln zu versinken. Ich machte mein Navi für einige Zeit aus. Ohne das Leuchten des Displays stellten sich die Augen auf die Dunkelheit ein und ich sah zumindest Umrisse der Bäume und konnte den Pfad besser erahnen.
Mir war nicht wohl dabei, im Dunkeln in einem unbekannten Wald allein unterwegs zu sein. Als ich einen Waldweg kreuzte, der breit genug war, um mit dem Auto befahren zu werden, tauchte vor mir ein abgestellter Autoanhänger auf. Er schien schon lange hier zu stehen, Dreck oder Moos tarnten ihn, so dass er nicht von weitem zu sehen war. Jetzt erst wurde mir bewusst, dass ich keine Angst vor dem Wald oder vor der Dunkelheit hatte, sondern vor Menschen, die hier sein könnten. Am Hotel angekommen stellte ich fest, dass es tatsächlich auf autofahrende Gäste setzte, alternativ gab es einen Shuttle zum Flughafen.
Am nächsten Morgen legte ich denselben Weg vom Hotel zur Haltestelle zurück. Im Hellen sah ich, dass die Straßen, die das Waldstück einrahmten, nie weit weg waren. Das Waldstück schien weniger unheimlich. Neben dem abgestellten Anhänger stand nun ein Auto mit laufendem Motor. Ich beschleunigte meinen Schritt und war froh als ich an der Fußgängerampel ankam. Ganz außer Atem merkte ich kaum, dass es keinen Fußgängerweg gab, weder auf dieser noch auf der anderen Seite des Überwegs. Das Auto, das mir einen Schreck eingejagt hatte, war bunt bemalt. Die Aufschrift auf der Seite des Kleintransporters mit dem laufenden Motors lautete „Blutspendentransport“.

Ein abgestellter Anhänger und ein Blutspendentransporter? Da kann einem die Fantasie schon mal wild durchgehen! Puuuh…😬
Genau!