Die Schwere der Leere

Die Kinder waren hier, alle: meine Kinder, meine Enkelkinder, mein Schwiegersohn. Wir waren zusammen spazieren, wir haben zusammen gegessen. Die Wohnung ist fast zu klein dafür. Der Tisch muss auseinander geschoben werden, Stühle aus verschiedenen Zimmern gesammelt, damit alle einen Platz haben.

Es ist laut und wuselig. Es wird gleichzeitig gespielt, gekocht, diskutiert, Tisch gedeckt, gestritten und gelacht. Alles im Wohnzimmer, das direkt in Küche übergeht. „Essen ist fertig!“ hat heute schnell Wirkung gezeigt, alle waren hungrig und haben nur auf das Kommando gewartet. Dann gibt es einen Quiz – die Sitzordnung. Insbesondere die Enkelkinder haben Ideen neben wem sie sitzen wollen, immer wieder neue Ideen und es ist nicht immer einfach, das den Wünschen und den Möglichkeiten entsprechend zu lösen. Die Diskussionen gehen am Tisch weiter. Zunächst, was auf den Teller kommt, denn bei uns wird nicht gegessen, was auf dem Teller ist, sondern es kommt auf den Teller, was gegessen wird. Dann gibt es Gespräche zu aktuellen Themen, die Planung des nächsten gemeinsamen Ausflugs, wie eine gute Vorsorge für die Rente aussehen kann oder was gerade so in der Welt oder im Kindergarten los ist. Alles darf Thema sein, manchmal gleichzeitig. Selten ist an dem Tisch nur ein Thema gleichzeitig dran. Es geht chaotisch zu und laut.

Da die Kinder heute alle zusammen noch zu Papa fahren, entlasse ich sie bevor alles wieder in Ordnung gebracht ist. Laut diskutierend, wer die Wohnungstür aufmachen darf und wer den Hund an der Leine führt, verlassen sie den klitzekleinen Flur in dem wir uns alle zum Abschied umarmen.

Und auf einmal ist die Wohnung leer.

Eine Erleichterung, das war sehr viel, laut und chaotisch. Ich sammle die Reste der verstreuten Spiele zusammen. Räume die Spülmaschine fertig ein. Genieße mit der Aufmerksamkeit ganz bei mir und meinem Tun zu sein. Doch das hält nicht lange. Auf einmal wird die ersehnte Leere in der Wohnung stechend. Das Blubbern der Spülmaschine hilft dagegen nicht. Es ist wie in ein Loch zu fallen.

Nach einem vollen Haus, fühlt sich die Leere ganz anders an.

Ich habe gelesen, es gibt irgendwo den Glauben, dass wenn der Besuch geht, nimmt er die Leichtigkeit auf die Reise mit und lässt die Schwere da. Eine leere Schale auf dem Tisch aufgestellt soll in solchen Fällen helfen, darin sammelt sich die Schwere und die Wohnung kann wieder mit einer Leichtigkeit leer sein.

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