Buch & Bohne

„Sag’ mir erst wie viele Bücher du kaufen willst“, meine Tochter stellt sich mir in den Weg.

„Zwei, die ich so oder so kaufen will – falls sie da sind – und ein Überraschungsbuch.“

„OK.“ Der Weg ist frei, wir steuern „Buch und Bohne“ eine Buchhandlung mit Café in München an. Klingt vielleicht seltsam, aber ich liebe Bücher und neige dazu mehr zu kaufen, als ich lesen kann. Die Bücherschränke sind eh voll und es findet immer wieder mal eine Auswahl statt – welche Bücher bleiben und welche weiterziehen, um Platz für neue tolle Bücher zu machen. Der Deal, ich lege mich vorher fest und meine Tochter mahnt die Einhaltung ein, hatten wir uns mal überlegt, um Bücherläden zu betreten ohne eine Bibliothek anmieten zu müssen.

Der Laden ist etwas Abseits der Wege, die wir in der Stadt laufen, wir nehmen eine gesonderte Anfahrt auf uns. Vor zweieinhalb Jahren haben wir einen ähnlichen Laden in Köln entdeckt und wollten diesen in München auf jeden Fall auch besuchen. Der Eingang ist um die Ecke zur im Netz angegebener Adresse, wir sehen das Schild mit der Wegbeschreibung zum Eingang kurz bevor wir enttäuscht weggehen. Zum Glück!

Mit dem Aufkleber „KEINE BÜCHER FÜR NAZIS“ direkt über der Türklinke ist klar, hier sind wir richtig.

Ein kleiner Laden mit einer Theke in einem Raum und drei Tischen im zweiten der drei Räume. Es riecht nach Kaffee und Büchern. Gibt es eine schönere Mischung?

„Was wünschen Sie sich?“ werde ich an der Theke gefragt. Die Jacke ist bereits am Kleiderständer aufgehängt und die Tasche an einem der Tischchen abgelegt. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich erst was zum Trinken bestelle oder nach den Büchern frage.

„Also nur was Kaffee oder Bücher angeht“, deutet die lächelnde Frau hinter der Theke mein Zögern anscheinend anders.

Ich bestelle einen Chai-Latte und heiße Schokolade.

„Mit Hafermilch?“ Anscheinend gibt es hier ein gewisses Muster der Kundinnen. Natürlich mit Hafermilch, wie konnte ich es nur vergessen? Die beiden Wunschbücher sind gerade nicht da, könnten bis morgen bestellt werden, aber nein, morgen sind wir bereits auf dem Weg nach Hause. Ich werde zum Regal geführt, wo die Bücher stehen würden, die Getränke kommen gleich.

Fünf Bücher suche ich mir aus und nehme sie mit an unser Tischchen. Beim heißen Getränk schmökere ich in meiner Auswahl. Ein schöner Kontrast zum kühlen regnerischen Grau draußen.

Zwei Bücher lege ich schnell beiseite. Über das eine vom Reststapel habe ich schon mehrfach gehört und wollte es mal lesen, das zweite passt zum aktuellen Lebensthema – Veränderungen und neue Wege. Das Dritte habe ich aus dem Regal genommen, weil es als Brief an die Enkelkinder geschrieben ist. Ich nehme abwechselnd die drei Bücher in die Hand und schaue mal da mal hier rein, es dauert nicht lange bis ich mich für „Liebe Enkel oder die Kunst der Zuversicht“ von Gabrielle von Arnim entscheide.

Den strengen Blick meiner Tochter über ihre heiße Schokolade erwidere ich mit dem Buch winkend:

„Ich habe mich entschieden.“

Die restlichen Bücher ins Regal gestellt, trinke ich zufrieden meine Tasse leer. Ein buntes Buch von Mark Twain „Briefe von der Erde“ fällt mir auf. Seinen „Tagebuch von Adam und Eva“ habe ich mit Vergnügen gelesen. Die Briefe sind von Satan geschrieben (bevor er gefallen ist) vom neuesten Experiment seines Vaters – einer Erde – an seine Brüder Michael und Gabriel.

„Nur fünf Euro für ein hart gebundenes Buch!“ es dauert etwas, bis mit einem:

„Ausnahmsweise“, meine zuverlässige Einkaufsunterstützung nachgibt.

Glücklich verlasse ich dieses wundervolle Fleckchen auf Erde und bin voller Zuversicht mehr solche Läden entdecken zu können.

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