Wie Oma

In den Ferien war ich immer gern bei Oma. Ob es bei der einen oder anderen war, war nicht so wichtig, denn ich war immer umsorgt und konnte vieles machen, was normal zuhause nicht ging. Inzwischen bin ich selbst Oma und merke den Qualitätsunterschied zwischen der Zeit mit meinen Kindern und mit meinen Enkelkindern.

Mit Kinder war die „Last der Erziehung“ über mir geschwebt. Aus Kinder muss was werden und als Elternteil habe ich die Verantwortung dauernd gespürt. Aus dem Genuss der Zeit mit dem Säugling ist der Kontakt immer mehr zu „Erziehungsinterventionen“ geworden.

Natürlich hat sich im Lauf der Zeit meine Vorstellung davon, was man als Elternteil angeblich „muss“, verändert und doch spüre ich den erhobenen Zeigefinger, wenn es um Lebensentscheidungen meiner Kinder geht. Ja, ich weiß, dass jeder Weg anders und für einen selbst richtig ist. Und jeder Schritt ein wichtiger für die persönliche Entwicklung ist. Und trotz alledem schwebt ein Schatten der Verantwortung über meiner Beziehung zu den Kindern. Vielleicht ist das in der Rolle der Eltern enthalten?

Mit den Enkelkindern ist es ganz anders: ich kann sie jedes Mal als das betrachten, was sie sind – als ein Wunder. Staunend kann ich sehen, was alles bereits in ihnen steckt: wie sie ihren Weg suchen um gehen und kommunizieren zu lernen, um die Welt zu erkunden und zu begreifen. Als Oma konnte ich von Anfang an meinen Enkelkindern den Raum geben, sich zu entwickeln, ohne eigene oder gesellschaftliche Vorstellungen verwirklichen zu müssen.

Ohne Frage ist eins der Faktoren, die das möglich machen, der Ausschluss des Alltags. Wenn ich mir Zeit für meine Enkelkinder nehme, dann darf der Alltag weitestgehend draußen bleiben. Ich kann vieles Vorbereiten, einiges auf später verschieben und den Fokus aufs Zusammensein setzen. Ich kann eigene Impulse setzen, aber auch den Ideen der Enkelkinder folgen.

„Wollen wir heute ins Naturkundemuseum?“ wird öfter mit

„Nein! Ich will zum Spielplatz!“ beantwortet, und dann gehen wir zum Spielplatz. Es freut mich natürlich, wenn die Antwort auch mal:

„Oh ja, da waren wir lange nicht mehr!“ heißt.

Es ist eine schöne Rolle in der Familie. Vieles (als Kind) selbst ausprobiert und gemacht, vieles (als Mutter) organisiert und beigebracht. Nun ist die Zeit mich rausnehmen zu können und Gelegenheit für den jeweils eigenen Wachstum zu bieten und staunend zu beobachten.

Beruflich bin ich gerade in einer Veränderungsphase. Es ist Zeit mich weiterzuentwickeln. Ich war überrascht, als ich feststellte, dass ich mir etwas ausgesucht habe, das ähnlich der Rolle der Oma ist: Coach für Führungskräfte, Teams und Organisationen.

Nach dem ich vieles ausprobiert und gemacht habe (Software entwickelt, Projekte durchgeführt) und vieles (als Führungskraft) organisiert und beigebracht habe, kann ich nun einen Raum und Gelegenheit für eigenständige Entwicklung bieten.

Alltag wird ausgesperrt, Fokus auf Klient*innen und staunend entdecken, was alles in den Coachees steckt, was ihnen selbst bisher nicht bewusst war. Mehr zu diesen Themen im gesonderten Blog unter: https://ingrid-bohr-coaching.de/blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert